Wieso enthalten so viele Vitamin-D3-Präparate zusätzlich Vitamin K2? Wozu ist das gut?

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Hast Du dich schon einmal gefragt, wieso seit einiger Zeit Vitamin-D fast nur mehr in Kombination mit Vitamin-K2 angeboten wird? Als Erklärung dafür geistern einige Mythen durch das Internet: Manche sagen, Vitamin D könne nur mit K2 aufgenommen werden, andere meinen, dass viel Vitamin D einen Mangel an Vitamin K auslösen würde. Was die neueste, wissenschaftliche Erkenntnis dazu ist, liest Du hier:

Wieso braucht man überhaupt ein Vitamin-D3-Präparat?

Vitamin D ist, wie viele von Euch vielleicht schon wissen, in unserer Nahrung nur sehr spärlich vorhanden, kann aber durch den Einfluss von UV-Strahlung in unserer Haut gebildet werden. Da für die optimale Eigensynthese aber nicht nur möglichst viel Haut ungeschützt der Sonne exponiert sein sollte, sondern auch der UV-Index eine Rolle spielt, kann die Bildung von Vitamin-D in unserer Haut in Mitteleuropa nur in den Sommermonaten optimal erfolgen. Allerdings muss Dir auch in der warmen Jahreszeit bewusst sein, dass Du das Vitamin nur dann in ausreichender Menge selbst herstellen kannst, wenn Du Dich zum richtigen Zeitpunkt (von ungefähr 12 bis 15 Uhr), für mindestens 10 bis 25min in der Sonne aufhältst. Wie lange Du dich sonnen solltest, hängt zum einen von deiner Hautfarbe ab (je dunkler diese ist, desto mehr Sonnenzeit benötigst du) und zum anderen vom Monat (im Mai müsstest Du länger in der Sonne sein als im Juli). Zusätzlich sollest Du noch beachten, dass Du dabei möglichst unbekleidet bist. Die meisten Empfehlung beziehen sich auf ungeschützte (sprich ohne Sonnencreme) und unbekleidete Hände, Teile der Arme und Beine und – was in Coronazeiten besonders schwer sein kann – ein unbedecktes Gesicht.

Da die Versorgung mit dem Sonnenvitamin im Winter kaum gegeben ist und auch viele Menschen den Empfehlungen im Sommer nicht nachgehen (können), wird eine Supplementierung von Vitamin-D3 empfohlen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit für einen Mangel in Europa sehr hoch ist, gerade unter den Menschen, die sich nur sehr wenig im Freien aufhalten, kann es trotzdem ratsam sein, bevor Du zu einem Supplement greifst, zunächst Deinen Vitamin-D-Spiegel im Blut bestimmen zu lassen (Deutsche Gesellschaft für Ernährung 2015).

Was hat Vitamin-K2 mit Vitamin D zu tun?

Vitamin D hat viele wichtige Funktionen für den Körper. Unter anderem erhöht es auch die Aufnahme von Calcium im Darm und ist somit für das Calcium-Gleichgewicht im Organismus zuständig. Damit übernimmt es eine wichtige Rolle in der Knochengesundheit. In einigen Studien konnte gezeigt werden, dass eine adäquate Zufuhr von Vitamin D die Knochendichte erhöht und somit dem Risiko von Knochenbrüchen und Osteoporose vorbeugt.

Vitamin K ist insbesondere für seine Wirkung auf die Blutgerinnung bekannt, hat aber ebenfalls einen Einfluss auf den Knochenstoffwechsel, in dem es für die Aktivierung von Osteocalcin notwendig ist. Osteocalcin ist ein Hormon, welches in Osteoblasten (Knochensubstanz aufbauende Zellen) und Odontoblasten (Zahnsubstanz aufbauende Zellen) gebildet wird. Wenn es durch Vitamin K carboxyliert* wird, ist es für die Erhaltung des Gleichgewichts von De- und Remineralisation des Knochens zuständig. Auch im Weichgewebe, wie beispielsweise in den Blutgefässen, befindet sich ein Protein, dessen Funktion von Vitamin K abhängig ist (das Matrix-Gla-Protein, oder MGP). Sowohl Osteocalcin als auch MGP sind an der Verwertung von Calcium beteiligt und für dessen Einlagerung in Knochen und Zähne verantwortlich (Kidd 2010).

Somit haben beide Vitamine einen Einfluss auf die Knochengesundheit. Alleine durch diese Erkenntnis kam es bereits zur Durchführung von Studien, die versuchten herauszufinden, ob eine kombinierte Gabe der beiden Vitamine die Knochendichte sowie das Risiko zu stürzten und/oder einen Bruch zu erleiden positiv beeinflussen würde. Insgesamt kam man zu uneinheitlichen Ergebnissen. Bei Frauen nach der Menopause schien die Kombination in den meisten Studien leichte Vorteile zu haben (van Ballegooijen et al. 2017).

*unter „carboxylieren“ versteht man das Anhängen einer chemischen, funktionellen Gruppe (Carboxylgruppe)

Wieso kombinieren Hersteller die Vitamine?

Durch die positive Wirkung von Vitamin D auf die Calciumaufnahme gelangt zunächst mehr Calcium in den Organismus. Ausserdem spielt Vitamin D vermutlich eine Rolle in der Bildung von Osteocalcin und anderen Vitamin-K-abhängigen Proteinen. Nun wird davon ausgegangen, dass bei sehr hoher Vitamin-D-Zufuhr, die durch Supplemente erreicht werden kann, tendenziell grössere Mengen an Osteocalcin und MGP gebildet werden. Darüber hinaus vermutet man, dass das vorhandene Vitamin K im Körper nicht ausreicht, um die höheren Mengen dieser Substanzen zu carboxylieren. Werden Osteocalcin und MPG nicht carboxyliert, können sie ihren Funktionen nicht gerecht werden, was das Risiko für die Entwicklung gewisser Krankheiten erhöht. Konkret geht man davon aus, dass sich durch zu viel Vitamin D und zu wenig Vitamin K Calcium in den Blutgefässen ablagern würde und somit eine Arteriosklerose ausbilden würde. Allerdings konnte in Humanstudien die Stimulation von Vitamin D auf die Bildung von Vitamin-K-abhängige Proteine bis jetzt noch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Nicht in allen Studien wirkte sich die Kombination der beiden Vitamine positiv auf koronare Herzerkrankungen aus. Vitamin K2 welches vor allem von Bakterien gebildet wird und somit insbesondere in Käse, Milch und Sojaprodukten enthalten ist, schnitt in den meisten Untersuchungen besser ab als Vitamin K1, welches sich in grünem Blattgemüse befindet (van Ballegooijen et al. 2017; Kidd 2010).

Brauchen wir nun ein Kombi-Präparat?

Was das angeht ist sich die Wissenschaft im Moment noch sehr uneinig. Van Ballegooijen und sein Team sind der Meinung, dass es noch zu wenig Evidenz gibt, um eine Kombination zu empfehlen. Sie sind sich aber einig, dass beide Vitamine in optimaler Konzentration vorhanden sein müssen, um eine bestmögliche Knochengesundheit zu gewährleisten. Bei einer Dysbalance erhöht sich das Risiko für die Ablagerung von Calcium im Gewebe. Konkret empfiehlt das Forscherteam Studien, die sich mit dem Langzeiteffekt einer hohen Vitamin-D-Supplementation beschäftigen (van Ballegooijen et al. 2017).  Eine Studie aus dem Jahr 2020 konnte allerdings zeigen, dass auch Mengen von bis zu 10 000 I.E. (internationale Einheiten) an Vitamin D über drei Jahre hinweg sicher sind (Billington et al. 2020).

Ganz klar kann man allerdings sagen, dass Personen, die Vitamin-K-Antagonisten zu sich nehmen, vorsichtig mit einer Supplementierung von Vitamin-K in hohen Dosen sein müssen bzw. auf diese am besten, sofern keine medizinische Indikation dafür vorliegt, generell verzichten sollten. Bei Medikamenten wie Warferin und anderen K-Antagonisten wird künstlich ein geringer Vitamin-K-Mangel erzeugt, um die Blutgerinnungszeit zu verlängern und damit eine Thromboseprophylaxe zu erzeugen (Deutsche Gesellschaft für Ernährung 2015).

Abschliessende Worte

Die Supplementierung von Vitamin-D ist also für einen Grossteil der Europäer und Europäerinnen notwendig. Um eine Kombination von Vitamin-K2 und dem Sonnenvitamin zu empfehlen, ist die Evidenz im Moment noch zu gering. Ausserdem wird davon ausgegangen, dass an sich genügend Vitamin K über Lebensmittel aufgenommen werden kann. Da ausserdem auch hohe Dosen an Vitamin D über mehrere Jahre hinweg sicher sind, kann im Moment stark davon ausgegangen werden, dass es kein zusätzliches Vitamin K braucht. Die Kombi-Präparate, die bereits auf dem Markt sind, sind allerdings für gesunde Menschen trotzdem sicher, da Vitamin-K vermutlich auch in grösseren Mengen nicht toxisch wirkt. Im besten Fall greifst Du jedoch einfach zu einem reinen Vitamin-D3-Präparat, welches von der Dosierung an deinen Bedarf (abhängig vom Serum-Vitamin-D-Spiegel) angepasst ist und wenn Du unsicher bist, lass zusätzlich Deine Versorgung mit Vitamin-K bestimmen.

Literaturverzeichniss

Billington, E. O., L. A. Burt, M. S. Rose, E. M. Davison, S. Gaudet, M. Kan, S. K. Boyd, and D. A. Hanley. 2020. ‘Safety of High-Dose Vitamin D Supplementation: Secondary Analysis of a Randomized Controlled Trial’, J Clin Endocrinol Metab, 105.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizergesellschaft für Ernährung (Hrsg.). 2015. ‘Vitamin D (Calciferole).’ in, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (Bonn).

Kidd, P. M. 2010. ‘Vitamins D and K as pleiotropic nutrients: clinical importance to the skeletal and cardiovascular systems and preliminary evidence for synergy’, Altern Med Rev, 15: 199-222.

van Ballegooijen, A. J., S. Pilz, A. Tomaschitz, M. R. Grübler, and N. Verheyen. 2017. ‘The Synergistic Interplay between Vitamins D and K for Bone and Cardiovascular Health: A Narrative Review’, Int J Endocrinol, 2017: 7454376.

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